in Firmengeschichten

Biographisches Buch über die Kunststoffpioniere Wilhelm und Anton Anger

Die unglaubliche Geschichte von Brillen und Rohren
Die Unternehmerfamilie Anger und ihre Erfindungen

Die Brüder Wilhelm (1926 – 2014) und Anton Anger (1929 – 2013) zählen zu den wichtigsten Pionieren der österreichischen Kunststofftechnik. Seit Generationen im sudetendeutschen Erzgebirge ansässig und traditionell in der Landwirtschaft und in der Veredlung von landwirtschaftlichen Produkten tätig, änderte sich ihr Leben ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs grundlegend. Wie nahezu alle ihrer Landsleute wurden sie zwangsweise ausgesiedelt. Über Zwischenstationen in deutschen Aussiedlerlagern landeten sie letztendlich im angestrebten Zielland Österreich.

Da eigener Grundbesitz zur Wiederaufnahme einer Landwirtschaftsproduktion außer Reichweite war, wagte Wilhelm Anger aus der Not heraus einen Neuanfang als Hersteller eines Schweiß- und Lötmittels, das sich als Zwischenstation zum Einstieg in die Schweißerbrillen-Herstellung erwies. Es war der Anfang einer beispiellosen Wirtschaftswunder-Geschichte, die Anger bis zur Weltmarktführerschaft führte. Der Name Anger steht dabei für zahlreiche Innovationen, vor allem die Entwicklung der Brille vom Zweckartikel zum Schmuck-, Mode- und Sportartikel. In langjähriger Zusammenarbeit mit dem Wiener Designer Udo Proksch entstanden neuartige Brillen-Marken (Viennaline, Carrera, Optyl, Serge Kirchhofer) und neue Marketing-Methoden, wie das Shop-im-Shop-Konzept oder die fokussierte Schaufenster-Inszenierung.

Zum Ausgleich von Marktschwankungen im Brillengeschäft begannen sie auch auf dem Gebiet der Rohrproduktion aktiv zu werden. Auf sie geht die heute selbstverständliche Steckmuffe für die Rohre ebenso zurück, wie die Produktionstechnik dafür, insbesondere der konische Doppelschnecken-Extruder und damit verbundene Einrichtungen zur Herstellung von Platten, Profilen und Folien.

Anton Anger steht zusätzlich für die Entwicklung des Hochgeschwindigkeits-Fräsens und der Transfer-Frästechnik. Über die rein technischen Aspekte hinaus wird auf 427 Seiten die Familien-Biographie in allen Facetten nachgezeichnet, inklusive ihrer schillernden Position in der damaligen Wiener „Seitenblicke-Gesellschaft“, aber auch das mehrmalige Scheitern und Neubeginnen bis ins hohe Alter.